Ein großer europäischer Asset Manager beziffert den Anstieg der Kosten für zentral bezogene Marktdaten zwischen 2018 und 2024 auf rund 125 Prozent. Die übliche Erklärung lautet: Die Anbieter erhöhen die Preise. Das greift zu kurz. Der eigentliche Grund liegt tiefer, in einer Infrastruktur, deren technische und vertragliche Logik aus einer Zeit stammt, in der ein Mensch vor einem Terminal saß und Kurse ablas.
Die Finanzindustrie gab 2024 weltweit knapp 50 Milliarden US Dollar für Marktdaten aus. Diese Summe beschreibt nur die Lizenzen. Was ein Haus wirklich zahlt, verteilt sich auf drei Ebenen.
Die erste Ebene ist der Lizenzpreis. Er steht im Vertrag und ist der einzige Block, über den verhandelt wird. Die zweite Ebene ist die Integration. Feeds kommen in proprietären Formaten, mit eigenen Identifiern, eigener Zeitlogik und eigenen Ausnahmen. Jedes Haus baut die gleiche Normalisierung, das gleiche Mapping, die gleiche Abgleichsroutine erneut. Diese Arbeit ist Standardarbeit, sie erzeugt keinen Wettbewerbsvorteil, und sie ist in vielen Häusern der größere Kostenblock.
Die dritte Ebene ist die Verwaltung der Lizenzen selbst. Nutzungsklassen müssen technisch getrennt gehalten, Nutzer gezählt, Nachweise geführt und Audits begleitet werden. Auch das ist Personal, das gebunden wird, ohne dass ein Produkt entsteht. Wer über Datenkosten spricht und nur die erste Ebene meint, verhandelt am kleineren Teil der Rechnung.
Der Datenlayer der Branche ist über Jahrzehnte gewachsen, meist durch Zukäufe. Das Ergebnis ist eine Landschaft aus nebeneinander betriebenen Systemen mit unterschiedlichen Datenmodellen, die nach außen wie ein Produkt aussehen. Drei Folgen daraus treiben die Kosten.
Die Auslieferung ist auf Terminals und Feeds ausgelegt. Beides wurde entworfen, bevor Datenverarbeitung in verteilten Systemen selbstverständlich war. Ein Terminal bedient einen Menschen. Ein Feed liefert einen Strom, den der Empfänger selbst brauchbar machen muss. Beide Formen verschieben Arbeit zum Kunden.
Die Lizenzlogik zählt Menschen. Display Lizenzen werden pro Nutzer abgerechnet und skalieren mit der Zahl der Arbeitsplätze oder Endkunden. Non Display Nutzung, also die maschinelle Weiterverarbeitung, bildet eine eigene Klasse mit eigener Abrechnungslogik, meist als Pauschale je Anwendung oder Instanz. Automatisierung, Modelle und Agenten passen in keine der beiden Zählweisen sauber. Die Einordnung wird zur Auslegungsfrage und im Audit rückwirkend entschieden.
Die Metriken sind nicht vergleichbar. Nutzerdefinition, Standortbegriff, juristische Einheit, Nutzungsklasse und Weitergaberechte unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter. Ein Angebot gegen ein anderes zu rechnen bedeutet, zwei Vertragswerke Zeile für Zeile zu übersetzen. Diese Arbeit findet in den meisten Häusern nicht statt. Damit verschiebt sich die Verhandlung vom Preis pro Leistung hin zum Rabatt auf einen Listenpreis, den niemand unabhängig prüfen kann.
Im Marktdatengeschäft der Handelsplätze sind Margen von rund 75 Prozent üblich. Solche Margen halten sich nicht in Märkten mit funktionierendem Wettbewerb. Sie halten sich, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Die Ware entsteht als Nebenprodukt und kostet in der Vervielfältigung fast nichts, es gibt keine gleichwertige Alternativquelle, und ein Wechsel ist teuer.
Der letzte Punkt ist der entscheidende. Wechselkosten sind hier nicht der Preis eines neuen Vertrags, sondern die erneute Integrationsarbeit. Genau deshalb konserviert eine schwer anzubindende Architektur die Preissetzungsmacht ihres Betreibers. Komplexität ist in diesem Markt kein Versehen, sie ist ein Geschäftsmodell.
Zwei Entwicklungen greifen ineinander.
Die erste ist regulatorisch. Die ESMA hat im Juli 2026 einen Consolidated Tape Provider für Aktien und ETFs autorisiert, der operative Start folgt am 1. Oktober 2026, zunächst für fünf Jahre unter ESMA Aufsicht. Der Rahmen stammt aus dem MiFIR Review und sieht getrennte Tapes für Aktien und ETFs, Anleihen und Derivate vor. Der Tape löst keine Lizenzverträge ab. Er schafft aber etwas, das es vorher nicht gab: eine gemeinsame Referenz, gegen die sich Preise und Abdeckung prüfen lassen. Dazu fordern Branchenverbände einheitliche Lizenzstandards, öffentliche Preislisten und lizenzgebührenfreie internationale Kennnummern.
Die zweite ist technisch und wirkt schneller. Wenn dieselben Daten über eine API kommen, die ein Entwickler an einem Tag anbindet, statt über einen Feed, der ein Projekt braucht, fallen die Wechselkosten. Fallen die Wechselkosten, entsteht eine Alternative. Existiert eine Alternative, ist der Preis wieder verhandelbar. Innovation senkt in diesem Markt nicht deshalb die Kosten, weil neue Anbieter billiger anbieten, sondern weil sie die Bindung auflösen, aus der die Preissetzungsmacht stammt.
Wir bauen Bavest aus genau diesem Grund als europäische Financial Data Infrastructure: nicht als weiteren Feed neben den bestehenden, sondern als Ersatz für die Schicht, die heute jedes Haus selbst betreibt.
Wer die drei Kostenebenen ernst nimmt, kommt zu einem anderen Anforderungsprofil an einen Datenanbieter. Vier Punkte entscheiden. Wir haben Bavest genau entlang dieser vier Punkte gebaut, deshalb hier jeweils konkret, was das in der Praxis heißt.
Zugang über eine API statt über Terminal Lizenzen und Feeds. Der Unterschied ist nicht der Übertragungsweg, sondern die Frage, wer die Aufbereitung leistet. Kommen Daten normalisiert an, entfällt genau die Arbeit, die heute jedes Haus einzeln erledigt. Bei Bavest läuft der Zugang über eine REST API und einen MCP Server mit 81 Endpoints unter 150 Millisekunden. Ein Entwickler bindet die erste Abfrage an einem Tag an, nicht in einem Projekt.
Ein Datenmodell für alle Assetklassen. Kurse, Fundamentaldaten, ETF Daten, Schätzungen und Makrodaten mit einer Identifier Logik statt fünf Quellen mit fünf Symbologien. Das Mapping zwischen Quellen ist der stille Dauerkostenblock in fast jedem Haus. Bavest liefert diese Klassen aus einem Modell, inklusive Makrodaten, statt sie über getrennte Verträge und getrennte Schemata zu verteilen.
Eine Lizenzlogik, die maschinelle Nutzung als Normalfall behandelt. Ein Vertrag statt Einzellizenzen pro Quelle, Standort und Nutzungsklasse, mit einer Preislogik, die sich ohne juristische Übersetzung mit anderen Angeboten vergleichen lässt. Genau so ist unser Modell aufgebaut: Wer automatisiert, Modelle betreibt oder Agenten einsetzt, fällt damit nicht in eine Sonderklasse, die im Audit rückwirkend neu eingeordnet wird.
Analytik auf derselben Ebene wie die Daten. Läuft die Portfolioanalyse dort, wo die Daten liegen, entfällt eine weitere Umgebung, die angebunden, lizenziert und abgeglichen werden muss. Bei uns übernimmt das QuantOS: Allokation, Risiko und Performance rechnen direkt auf demselben Datenbestand, aus dem auch die Rohdaten kommen.
Der Punkt ist nicht, dass ein solcher Anbieter zwangsläufig den niedrigsten Listenpreis hat. Der Punkt ist, dass er die Wechselkosten senkt. Und Wechselkosten sind das, was die Preissetzungsmacht der etablierten Anbieter bisher geschützt hat.
Weil der sichtbare Lizenzpreis nur ein Teil der Rechnung ist. Dazu kommen die Anbindung und Normalisierung proprietärer Feeds sowie die laufende Verwaltung von Nutzungsklassen und Nachweisen. Diese Arbeit fällt in jedem Haus erneut an und erzeugt keinen Wettbewerbsvorteil.
Weil er aus einer Zeit stammt, in der ein Mensch vor einem Terminal saß, und seitdem vor allem durch Zukäufe gewachsen ist. Konkret heißt das: Systeme aus verschiedenen Jahrzehnten laufen nebeneinander und werden über Schnittstellen verbunden statt zusammengeführt. Daten werden in proprietären Feed Protokollen ausgeliefert, die der Empfänger selbst normalisieren muss. Viele Bestände werden weiterhin in Batchläufen aktualisiert statt kontinuierlich. Jede Assetklasse bringt ihr eigenes Datenmodell und ihre eigene Symbologie mit. Und die Lizenzstruktur zählt bis heute Arbeitsplätze und juristische Einheiten, nicht Abfragen oder Anwendungen. Für maschinellen Zugriff, Modelle und Agenten war diese Architektur nie gebaut, deshalb wird sie über Sonderklassen und Zusatzverträge nachgerüstet. Das ist der Grund, warum ein modernes Projekt gegen diese Anbieter nicht am Preis scheitert, sondern an der Anbindung.
Weil jeder Anbieter eigene Lizenzmetriken verwendet, etwa Nutzerzahlen, Applikationen, juristische Einheiten oder Instanzen. Ohne vollständige Übersetzung beider Vertragswerke vergleicht man Preise für unterschiedlich definierte Leistungen.
Non Display bezeichnet Marktdaten, die nicht für einen menschlichen Nutzer angezeigt, sondern maschinell weiterverarbeitet werden, etwa in Bewertung, Risiko oder Orderrouting. Diese Klasse wird meist als Pauschale je Anwendung oder Instanz abgerechnet, unabhängig von der Nutzerzahl. Display Lizenzen werden dagegen pro Nutzer abgerechnet und skalieren mit jedem zusätzlichen Arbeitsplatz oder Endkunden und sind meist deutlich teuter.
Er lohnt dann, wenn der neue Anbieter die Integrationsarbeit übernimmt statt sie zu verlagern. Wird nur ein Feed gegen einen anderen getauscht, verschiebt sich der Aufwand, ohne dass er verschwindet. Kommen die Daten dagegen normalisiert über eine API, aus einem Datenmodell und unter einer Lizenzlogik, die maschinelle Nutzung einschließt, sinken Wechselkosten und laufender Betrieb gleichzeitig. Bei Bavest ist genau das der Maßstab: Zeit bis zur ersten produktiven Abfrage statt Zeit bis zum unterschriebenen Vertrag.
Marktdaten sind nicht teuer, weil Daten teuer wären. Sie sind teuer, weil der Layer, über den sie ausgeliefert werden, technisch und vertraglich aus einer anderen Zeit stammt und einen erheblichen Teil der Arbeit beim Kunden ablädt. Diese Architektur erzeugt hohe Kosten und schützt gleichzeitig die Position derer, die sie betreiben. Regulierung adressiert die Transparenzlücke, wirkt aber langsam. Schneller wirkt technischer Wettbewerb: Sobald Daten über moderne Schnittstellen normalisiert und mit einer Lizenzlogik ankommen, die maschinelle Nutzung als Normalfall behandelt, sinken die Wechselkosten und die Preise folgen. Diese Infrastruktur bauen wir bei Bavest aus Frankfurt.
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